Till Janotte berichtet aus Tansania: Geschichte Tansanias

Veröffentlicht am 07.07.2017 in Aktuell

Till Janotte aus Wirges macht derzeit Freiwilligendienst über das Kolpingwerk in Tansania. Gabi Weber unterstützt ihn dabei, dafür lässt uns Till regelmäßig an seinen Erlebnissen in einer völlig anderen Welt teilhaben. Hier sein vierter Bericht:

Um die gegenwärtige Lage Tansanias erklären und nachvollziehen zu können sollte man, wie bei anderen Ländern auch, auf die Geschichte des Landes schauen. Tansania als Staat existiert erst seit dem 26.04.1964, als sich die Länder Tanganjika, das heute noch als Tansania Festland bezeichnet wird, und die Inseln Sansibar und Pemba vereinigten. Dieser Vereinigung standen Jahrhunderte des Handels, des kulturellen Austausches und schließlich der Kolonialisierung durch Europäer und Araber vor.

Ab dem achten Jahrhundert nach Christus kamen die ersten islamischen Händler an die afrikanische Ostküste, wo sie Handelsstädte gründeten und sich ihre Kultur mit der der Einheimischen zur Suaheli Kultur entwickelte. Noch heute wird die aus dieser Vermischung entstandene Sprache, Kisuaheli in ganz Tansania gesprochen. Zu dieser Zeit bestand die Fläche des heutigen Tansanias aus den Territorien vieler verschiedener Ethnien, am bekanntesten sind wohl heute noch die der Massai.

Der erste Kontakt mit Europäern ergab sich 1498, als der Portugiese Vasco da Gama Teile der afrikanischen Ostküste erforschte und die portugiesische Krone 1506 diese und Sansibar kurzerhand zu ihrem Eigentum erklärte. Die Herrschaft der Portugiesen hielt jedoch nicht lange, denn sie wurden Ende des 17. Jahrhunderts nach und nach vom omanischen Sultan nach dessen Befreiungskampf in deren Heimat vertrieben. Auf Sansibar  fand daraufhin eine starke wirtschaftliche Entwicklung statt. Durch den attraktiven Gewürz- und Sklavenhandel kamen immer mehr arabische Immigranten auf die Insel und an die tansanische Ostküste. Doch dieser Handel wurde durch die Briten beeinträchtigt, und 1875 verbot der Sultan auf Druck Großbritanniens den Sklavenhandel endgültig. Trotzdem blieb Sansibar das wirtschaftliche Zentrum des Omans, was sich auch an dem Umzug der Sultansresidenz nach Sansibar illustrieren lässt.

Ende des 19. Jahrhunderts meldete sich das erste Mal auch das deutsche Interesse an Ostafrika: die von Carl Peters gegründete Ostafrikanische  Gesellschaft unternahm erste Expeditionen an der ostafrikanischen Küste und ins Inland. Dort schloss die Gesellschaft mit den Herrschern der Völker Verträge, die meist deutsch geschrieben waren und infolge dessen von den Einheimischen nicht verstanden wurden, der Gesellschaft aber Herrschaftsansprüche über die Gebiete gewährten. Das Deutsche Reich, vor allem in Person Bismarcks, weigerte sich zu der Zeit noch, diese Gebiete als Kolonie anzuerkennen und stellte der Gesellschaft Schutzbriefe aus. 1886 einigten sich das Deutsche Reich und Großbritannien auf Interessenszonen in Ostafrika - für Deutschland Tanganjika und für GB das heutige Kenia und Uganda. Nach Aufständen der einheimischen Bevölkerung gegen die teils sehr brutale Herrschaft der Deutschen Ostafrikanischen Gesellschaft, zu deren Niederschlagung das Deutsche Reich Truppen entsandte, übernahm das Reich 1890 auch die offizielle Verwaltung der nun Deutsch-Ostafrika genannten Kolonie. Unter dem 1888 in Deutschland herrschenden Wilhelm II.  war eine wahnsinnige Euphorie für die Besetzung von Kolonien und damit Ausweitung des deutschen Territoriums in aller Welt aufgeflammt, die auch Bismarck nicht mehr stoppen konnte. 1890 wurde nach kurzen Auseinandersetzungen zwischen dem omanischen Sultan und Großbritanien Sansibar ein britisches Protektorat, in dem die britische Herrschaft durch den Sultan ausgeübt wurde.

Während des ersten Weltkriegs ging das Gebiet Deutsch-Ostafrikas an die Briten und wurde in Tanganyika umbenannt, und nach dem zweiten Weltkrieg wurde Tanganyika ein UNO Mandatsgebiet unter der Herrschaft Großbritanniens. Die ab 1925 indirekte britische Herrschaft wurde jedoch von der Bevölkerung nicht akzeptiert, da sie gesellschaftlich nicht qualifizierte Personen an die Macht brachte.

Die ab Mitte der 1950er Jahre agierende TANU (Tanzanian African National Union) unter ihrem Führer Julius K. Nyerere wurde nach und nach zur größten Unabhängigkeitspartei, und am 19.12.1961 erlangte Tanganyika auf friedlichem Wege die Unabhängigkeit und Nyerere wurde der erste Präsident des Landes. Dieser baute es in ein sozialistisches System um.

Anders verlief es auf Sansibar: zwar erlangte der Staat am 10.12.1963 seine Unabhängigkeit von Großbritannien, aber es handelte sich trotz eines zerstrittenen Parteiensystems immer noch um eine Monarchie unter dem Sultan. Diese wurde vor allem von arabischen Großgrundbesitzern unterstützt. Am 12.01.1964 entluden sich die Spannungen zwischen der herrschenden arabischen Großgrundbesitzerschicht und den Bauern in einer Revolution, in deren Folge der Sultan vertrieben wurde und 5000 bis 15000 Araber getötet wurden. Daraufhin wurde von der ASP (Afro-Shirazi Party) unter ihrem Vorsitzenden Abeid Karume ein sozialistischer Staat ausgerufen. Am 26.04.1964, also nur dreieinhalb Monate später, vereinigten sich Tanganyika und Sansibar zu Tansania, wobei Sansibar innenpolitisch weitgehend autonom blieb und z.B. einen eigenen Präsidenten behielt.

Das Festland wurde zu einem Einparteienstaat umgewandelt, in dem die TANU mit Nyerere die vorherrschende Kraft blieb, aber der Bevölkerung Rechte wie die Wahl der Präsidentschaftskandidaten einräumte. Am 15.02.1967 wurde die Arusha-Deklaration verabschiedet, die die politische Richtung der nächsten Jahre festlegte. Sie begründete den „afrikanischen Sozialismus“, der auf der Landwirtschaft in der erweiterten Familie (Ujamaa) beruhte, und in dem stark in Bildungs- und  Gesundheitswesen investiert wurde. Gleichzeitig wurden Banken und Industrie verstaatlicht. Dieses Modell war jedoch nicht erfolgreich, denn in der Bevölkerung meldete sich Widerstand gegen die Umsiedlung in Ujamaa Dörfer und Probleme wie die Ölkrisen der 70er Jahre, der Zusammenbruch der Ostafrikanischen Gemeinschaft 1977 und der von der ugandischen Invasion ausgelöste Krieg mit Uganda, den Tansania gewann, führten in den früher 80er Jahren zu Versorgungsengpässen  der Bevölkerung. 1985 stellte sich der bis dahin durchgängige regierende Präsident Nyerere nicht mehr zur Wahl. Allerdings konnte er auch Erfolge feiern: es gelang ihm, mehr als 100 Ethnien zu einen und als Sprache Kisuaheli einzuführen. Außerdem gelang es ihm, Tansania weitgehend aus dem kalten Krieg herauszuhalten und mit vielen Staaten freundliche Beziehungen zu führen.

Auf Sansibar hatte sich das System Karumes immer mehr zu einem Polizeistaat entwickelt, und als dieser 1972 ermordet wurde, wurden Reformen umgesetzt. Allerdings wurden mehr und mehr Stimmen laut, die die Aufhebung der Vereinigung mit dem Festland forderten, da dieses einen zu großen Einfluss übe. Gegen diese Stimmen sollte mit der Vereinigung der ASP und TANU zur CCM (Chama cha Mapinduzi=Partei der Revolution) vorgegangen werden, aber der sansibarische Teil der Partei hat noch immer bestimmte Sonderrechte.

1991 führte das Begehren nach einem Mehrparteiensystem zu einer Befragung der Bevölkerung, in dessen Zuge die Verfassung geändert wurde und Oppositionsparteien zu Wahlen zugelassen wurden. Allerdings war die CCM seit den ersten Wahlen 1995 immer die vorherrschende Partei die den Präsidenten stellt. Am 07.07.2000 wurde die ostafrikanische Gemeinschaft neu gegründet, zu dieser gehören zurzeit Burundi, Ruanda, Tansania, Kenia, Uganda und als neuestes Mitglied der Südsudan. Die Länder streben eine gemeinsame Währung an und es ist den Bürgern der Länder möglich, ohne Visa in die Nachbarstaaten zu reisen. Seit 2015 ist der Präsident John Pombe Magufuli im Amt, der viele Reformen anstößt, um Korruption zu bekämpfen und die Regierung effektiver zu machen, so feuerte er nach einem Millionen- Dollar Betrugsskandal den Chef der Hafenbehörde Daressalams oder möchte Behörden von Daressalam, dem wirtschaftlichen Zentrum Tansanias, nach Dodoma, der Hauptstadt, verschieben. Dabei wird ihm jedoch von Kritikern ein Hang zu diktatorischem Verhalten vorgeworfen.

 

Quellen:

http://www.tanzania-network.de/front_content.php?idart=135
https://www.liportal.de/tansania/geschichte-staat/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Tansanias

 

 
 
 

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