Till Janotte berichtet aus Tansania: Von der Globalisierung und deren Auswirkungen in Afrika

Veröffentlicht am 25.04.2017 in Aktuell

Till Janotte aus Wirges ist derzeit als Freiwilliger über das Kolpingwerk in Tansania. Gabi Weber unterstützt ihn dabei, dafür lässt uns Till regelmäßig an seinen Erlebnissen in einer völlig anderen Welt teilhaben. Hier sein nächster Bericht:

Die Globalisierung, könnte man meinen, ist ein Phänomen, das allen Seiten  Vorteile liefert. In der globalen Wirtschaft können Volkswirtschaften Produkte die sie nicht selbst herstellen können aus anderen Ländern importieren und eigene Überschüsse exportieren. Außerdem werden Sprachen und Kulturen ausgetauscht und man kann ziemlich einfach eine fremde Kultur kennen lernen. Ich selbst profitiere mit meinem Freiwilligenjahr von der Globalisierung.

Allerdings hat die Globalisierung auch Schattenseiten. Und der Schatten fällt vom Norden in den Süden. Wenn  der neu gewählte Präsident Trump über die deutschen Exportüberschüsse wettert, dann kann man das eigentlich nicht so wirklich ernst nehmen. Wenn dasselbe aber ein Staatsoberhaupt eines afrikanischen Landes täte, so wäre das gerechtfertigt, würde in Deutschland aber auf wenig Gehör stoßen. Warum? Erstens hat kein afrikanischer Staat auch nur annähernd so viel Einfluss auf das Geschehen der Länder des globalen Nordens wie die USA und zweitens sind die wirtschaftlichen Profite, die Firmen im Süden machen, zu hoch um auf diese verzichten zu wollen. So werden die rohstoffreichen Länder ausgebeutet, was in Regionen wie dem Kongo zu Konflikten führen kann. Die im Norden bearbeiteten Rohstoffe werden dann in Form von Elektronik, Maschinen oder chemischen Erzeugnissen wieder teuer in den Süden, der auf diese Güter angewiesen ist, exportiert. Der Gewinner: der Norden, und vor allem industriestarke Länder wie Deutschland, Frankreich oder die USA. Zusätzlich werden die betroffenen Länder durch EPAs (economic partnership programs) der EU an die bestehende Wirtschaftsordnung gefesselt. Unter der Drohungen, Zahlungen und Entwicklungshilfe an die betroffenen Ländern einzustellen, werden die Regierungen gezwungen, den EPAs zuzustimmen. Diese führen zu Handelsliberalisierungen wie niedrigeren Importzöllen , durch die die billigen weil subventionierten Artikel aus den EU Staaten die lokalen Märkte überschwemmen und diese zerstören, weil niemand mit den niedrigen Preisen mithalten kann. Da dieser Vorgang unter anderem im Bereich der landwirtschaftlichen Güter stattfindet und die Wirtschaft der Länder des Südens von der Landwirtschaft abhängig ist, trifft dies die Volkswirtschaften im Besonderen. Ein Beispiel: auf den Märkten in Bukoba werden alle paar Tage kommende Hilfspakete die mit Kleidung und Schuhen an die Kleinhändler verteilt, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Das sorgt zwar dafür dass diese Menschen eine Arbeit haben und die Leute billig Kleidung kaufen können (was ja auch nicht so ganz der Sinn von Kleiderspenden ist), aber andererseits zerstört es dann den lokalen Stoffmarkt, der gegebenenfalls ein größerer Arbeitgeber sein könnte und qualitativ hochwertige Waren anbietet. An der früheren Situation des Kolonialismus hat sich also nur wenig geändert, die meisten Länder aus den ehemaligen europäischen Kolonien sind immer noch von den ehemaligen Kolonialherren abhängig, sei es durch Entwicklungshilfe oder wirtschaftliche Probleme. Diese Abhängigkeit zeigt sich auch schön im Zusammenhang mit den US- amerikanischen Wahlen letzten Jahres. Organisationen wie USAIDS rechnen mit weniger Geldern vom Staat und müssen so fürchten, Projekte einstellen zu müssen oder Mitarbeiter zu entlassen. So verlieren Einheimische ihre Jobs und möglicherweise wichtige Projekte werden beendet.

Aber die Globalisierung bietet auch Chancen. So werden  Etnwicklungen wie dem Ausbau des Mobilfunknetztes in Tansania von ausländischen Firma unterstützt und beschleunigt. Die junge Generation kann diese wie andere neuen Technologien nutzen, um neue, auf ihre Lebensweise und Region spezialisierte, Problemlösungen und Wege zu finden, Schon jetzt kann man über die Mobilfunknetze Überweisungen tätigen. Das Internet bietet ebenfalls neue Chancen. So können Unternehmer mit niedrigen Kosten Werbung für ihre Dienstleistungen und Produkte machen. Außerdem bietet das Internet einen ganz neuen Grad der Anbindung an das Weltgeschehen. Über Facebook und andere Netzwerke wird sich munter verbunden und Veranstaltungen oder Artikel werden geteilt, von denen der ein oder andere vorher nichts mitbekommen hätte. Es entstehen tansanische und afrikanische Weltbürger die mitdiskutieren wollen. Diese können vielleicht dabei helfen, das falsche Afrikabild, das in Europa herrscht zu revidieren.

Und dazu bin ich ja auch da.

 
 

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