Aus der "Westerwälder Zeitung": Gymnasiasten gehen Europas Problemen auf den Grund

Veröffentlicht am 29.06.2015 in Europa

Sehr engagierte Debatte mit prominenten Politikern in Marienstatt

Von Matthias Budde

Währung oder Werte, was bildet die Grundlage eines geeinten Europas? Über diese Frage dachten Schüler der Jahrgangsstufe 12 des Privaten Gymnasiums Marienstatt zusammen mit Politikern nach. Der Europaparlamentarier Werner Langen vertrat die EU-Ebene, Gabi Weber den Bundestag, und aus dem Landtag nahmen Ralf Seekatz, Hendrik Hering und Dieter Klöckner auf dem Podium Platz. Es moderierte Dietmar Woesler vom Forum internationale Partnerschaft, das die Veranstaltung ausrichtete, Oliver Hoffmann vom Europe-Direct-Infocenter Koblenz steuerte Informationsmaterial bei. Die Marienstatter Schülerschaft wurde vertreten durch Klara Pinieck und Leonard Berger, die im Sozialkunde-Leistungskurs die Fragen ihrer Mitschüler gebündelt hatten und den Politikern vorlegten.

Dann wurde es konkret. Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone oder gar aus der EU, wollten die Schüler wissen. Die Griechen hätten die Chance zu Reformen nicht genutzt, meinte Langen, weitere Hilfe könne nur auf der Grundlage von ernsten Reformen gewährt werden, ansonsten sei der Austritt aus der Währungsunion unvermeidlich. Klöckner verglich die EU mit einer Familie. Die Summe von mehr als 300 Milliarden Euro sei ohnehin nicht zurückzahlbar. Er tendierte eher zu einem Schuldenschnitt. Allerdings nur unter Auflagen und Reformbereitschaft. Die Redner gingen dabei tief in die Geschichte Griechenlands, um das Problem zu erklären. Am weitesten zurück ging Gabi Weber in ihrer Argumentation. Griechenland als Wiege der Demokratie gehöre unbedingt zu Europa. Was die Finanzkrise betrifft, plädierte sie für einen Wachstumskurs plus Sparprogramm. Tatsache sei, dass das Volk leide, das stärke rechte Parteien und bedrohe den sozialen Frieden und die Demokratie, gab Oliver Hoffmann zu bedenken.

Und wenn Deutschland ausstiege? Diese Frage war eher hypothetisch. Auf Nachfrage stimmte auch kein Schüler für diese Möglichkeit. Die Identifikation mit einem modernen, geeinten Europa war groß. Im Spannungsfeld zwischen nationalstaatlicher Souveränität und einer Gemeinschaft europäischer Bürger standen auch die Fragen zur Sonderrolle Großbritanniens und einem Beitritt der Türkei. Zu aktuellen Fragen der Europapolitik und dem Verhältnis von Deutschland beziehungsweise Rheinland-Pfalz und Europa ging es dann in kleinere, von den Politikern begleitete Gesprächskreise. Zu Fragen der Bildungspolitik und dem G 8-Abitur gaben Hendrik Hering und Ralf Seekatz sehr differenziert Auskunft. Die Schüler waren engagiert und unterschiedlicher Meinung. Die einen wollten so schnell wie möglich weg von der Schule, um im wirklichen Leben nichts zu verpassen. Andere fanden es schwer, bereits mit 18 Jahren zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen.

Gabi Weber beschäftigte sich in ihrem Gesprächskreis mit den Themen Russland – Ukraine, Freihandelsabkommen und der Flüchtlingsfrage. Darüber hinaus stand sie den Schülern Rede und Antwort über ihre Arbeit als Bundestagsabgeordnete. Gerade diese Nähe zu den Politikern hob Klara Pinieck positiv hervor. Dass diese teilweise sehr weit ausholten, bedauerte sie insofern, als dass viele Fragen in der knappen Zeit nicht behandelt werden konnten.

In seine Nationalität wird man hineingeboren, zum Europäer muss man werden. Der Europatag hat in dieser Hinsicht zur Bewusstseinsbildung beigetragen.

 
 

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