Friedenstdienst in Uganda: Elisabeth Heisters aus Westerburg über ihre Zeit in Afrika

Veröffentlicht am 19.11.2018 in Aktuell

Elisabeth Heisters aus Westerburg absolviert derzeit einen 13monatigen Friedensdienst über EIRENE in Uganda. Gabi Weber unterstützt sie dabei, dafür lässt uns Elisabeth Heisters an ihren Erlebnissen in einer völlig anderen Welt teilhaben. Hier ihr Bericht über die ersten Wochen und Monate:

Hallo!
Mein Name ist Elisabeth Heisters und ich bin über die Organisation EIRENE für 13 Monate in Uganda, wo ich als Freiwillige im Child Restoration Outreach (CRO) arbeite. Aber lesen Sie doch selbst, was ich hier erlebe:

Ich gehe die Straße entlang nach Hause. „Bye, Muzungu!“, höre ich plötzlich eine Stimme. Ein Kind hat mich entdeckt. Kaum habe ich mich umgedreht, erschallen auch schon die Rufe der anderen Kinder. „Bye, Muzungu! Bye! Bye, Muzungu!“ Manche starren mir auch nur nach. Gut, dass ich als erstes gelernt habe, das Weiße hier „Muzungu“ genannt werden und gerade die Kinder meistens aufgeregt und begeistert sind, wenn sie einen sehen. Ich drehe mich also um, lächle und winke und gehe weiter. Ob ich mich jemals daran gewöhnen werde? Jeden Tag, sobald ich rausgehe, bin ich ein Muzungu, eine Weiße, was mit Reichsein assoziiert wird. Immer bin ich anders, besonders, steche heraus.

Teil 1: Einreiseseminar in Kampala
Am 1.8.18 hat mein Jahr in Uganda begonnen und ich bin gut angekommen :)
Der Flug ging über Brüssel und Kigali (Ruanda) nach Entebbe (Internationaler Flughafen in
Uganda). Dort landeten meine fünf Mitfreiwilligen und ich gegen 10 bzw. 11 Uhr nach hiesiger
Zeit. Da es um diese Uhrzeit schon ein paar Stunden dunkel ist, sahen wir am ersten Abend nicht so viel. Aber ich war neugierig und voller Vorfreude und atmete ich tief ein: Selbst der Geruch war
hier anders. Am Flughafen mussten wir als erstes den Impfpass zeigen. Danach haben wir ein dreimonatiges Touristenvisum beantragt und zum Glück ohne größere Schwierigkeiten erhalten. Das Arbeitsvisum für das ganze Jahr haben wir innerhalb dieser drei Monate bekommen.
Vor dem Flughafen wurden wir bereits von unserer Freiwilligenbegleiterin Vanessa und von Anne
erwartet und machten uns auf den Weg nach Kampala. Anne ist seit einem Jahr EIRENEFreiwillige
hier und hat ihren Dienst verlängert, ist also auch unsere Mitfreiwillige, kennt sich aber
schon aus. Die beiden haben zusammen mit Edson, der 2016/17 als ugandischer Freiwilliger in Deutschland war, in den ersten Tagen unser Einreiseseminar geleitet. Dabei haben wir viel über die Kultur, über Politik, Sicherheit und Kommunikation etc. gesprochen und darüber, was es bedeutet, ein internationaler Freiwilliger in Uganda zu sein und wie man sich (nicht) verhalten sollte. Außerdem waren wir u.a. in der Deutschen Botschaft, haben ein Krankenhaus besichtigt und Administratives geregelt.

Der Straßenverkehr in Kampala überfordert mich ein wenig, nicht nur der Linksverkehr, sondern
auch, wie voll und chaotisch es meistens ist. Es gibt ganz viele Taxis, die aber eher wie Kleinbusse
sind und erst losfahren, wenn sie voll sind (ca. 11-14 Personen, maximal habe ich bisher 19 erlebt). Außerdem gibt es in Uganda unzählbare Motorrad-Taxis, sogenannte Boda Bodas, die sich mit ein (oder verbotenerweise zwei, selten auch drei) Mitfahrern durch den Verkehr schlängeln. Sie sind meistens am schnellsten und werden viel benutzt, auch mal mit größerem Gepäck oder um eine große Glasscheibe zu transportieren.

Die Märkte sind riesig und sehr beeindruckend. Hier ist jeden Tag Markt und man kann quasi alles
kaufen, was der Ugander so braucht. Das liegt meistens auf einem Haufen auf einer Plane auf dem Boden oder einem Tisch, Lebensmittel aber auch teilweise in Gefäßen. Unmengen an Second-Hand-Kleidung und -Schuhen aus Europa und den USA werden hier günstig verkauft.

Teil 2: Orientierungs- / Einführungswoche in Masaka (5.-12.8.18)
Eine der coolen Sachen an EIRENE ist, dass sich normalerweise die Dienste der Freiwilligen und
ihrer Vorgänger bzw. Nachfolger um ca. einen Monat überschneiden, sodass der ehemalige
Freiwillige den neuen Freiwilligen eine Woche im Einsatzort einführen und ihm alles Wichtige
zeigen kann. Dann fährt der Neue für den Sprachkurs für einen Monat zurück nach Kampala und
wenn er zurück kommt, ist der ehemalige Freiwillige abgereist und der neue übernimmt seine
Stelle.

Ich war also mit meinem Vorgänger Marian eine Woche in Masaka und im CRO und habe mich
dort umgeschaut. Das Child Restoration Outreach ist eine ugandische, christlich geprägte NGO, die sich für Straßenkinder und deren Familien einsetzt. Gegründet wurde sie 1992 in Mbale, in Masaka gibt es das CRO seit 2002. Neben der Betreuung der Kinder auf eigenem Gelände (Center) gehört u.a. zu den Aufgaben des CRO die Arbeit mit den Familien bzw. Eltern (Parents Club) und Kinder in Schulen über ihre Rechte aufzuklären. Das Ziel des CRO ist die Reintegration der Kinder in die Familien und die Gesellschaft. Neben einer Lehrerin gibt es drei Sozialarbeiter, eine Köchin, eine Krankenschwester, einen Hausmeister, einen Sicherheitsmann, einen Finanz-Manager und die Chefin Adah, die auch meine Ansprechperson ist.

In der Einführungswoche habe ich einen guten Einblick in die Arbeit des CRO im Center
bekommen. Dabei habe ich schon gemerkt, dass ich Luganda auf jeden Fall gut gebrauchen kann, weil viele der Kinder nicht viel Englisch können, und bin deshalb sehr motiviert in den Sprachkurs gegangen. Außerdem hat mein Vorgänger mir einige Leute in Masaka vorgestellt, ein paar Restaurants, ein vertrauenswürdiges Krankenhaus, ein Hotel mit Fitnessstudio und Pool und ein paar andere Orte gezeigt.

Da es für meine Mitfreiwillige Nina von Mbarara nach Kampala eine ziemlich lange Fahrt ist, ist
sie schon am Samstag gegen Mittag nach Masaka gekommen, das auf der Hälfte der Strecke liegt.
Am Nachmittag waren wir dann mit zwei ugandischen Freunden am Lake Nabugabo, der nicht weit von Masaka entfernt ist, das war sehr schön.

Teil 3: Sprachkurs in Kampala (12.8.-7.9.18)
Am Sonntagmorgen machten wir uns dann zu dritt auf den Weg nach Kampala. Dieses Mal fuhren
wir mit einem Taxi (damit meine ich immer die Kleinbusse für ca. 14 Personen), die Fahrt dauert so etwa zweieinhalb Stunden. In Kampala fuhren wir mit Boda Bodas (Motorrad-Taxis) zur Sprachschule, wo wir uns mit den anderen Freiwilligen trafen und von den Gastfamilien abgeholt wurden. Meine Gastmutter, genannt Maama Prossy, wohnt in Kyanja, im nördlichen Teil von Kampala. Sie ist 67 Jahre alt und arbeitet nicht mehr. Da ihre Kinder schon selbst verheiratet sind, lebt sie alleine in einem Haus. Sie hat acht Enkel, von denen ich drei kennengelernt habe. Seit dem Ende der ersten Woche war noch ein Hausmädchen da.

Maama Prossy ist total lieb, ich hatte ein eigenes Zimmer und habe gutes Essen bekommen. Es gab eine westliche Toilette, die Dusche war aber kaputt, weshalb ich mit Eimer geduscht habe. Ich weiß nicht, ob man sich das so gut vorstellen kann, aber das ist gar kein Problem. Ich habe immer heißes Wasser bekommen, das auf dem Kohle-Öfchen erhitzt wurde, was ich dann mit kaltem Wasser gemischt habe. Weil Kohle günstiger ist, wird auf dem Kohle-Öfchen auch gekocht, obwohl es einen (alten) Elektroherd gibt. Auch der Kühlschrank, der irgendwann in der Küche stand, war nicht in Betrieb.
Gespült und gewaschen wird von Hand, außerdem wird hier sehr oft geputzt, weil immer viel Staub und Dreck mit ins Haus kommt. Das heißt, es gibt eine Menge zu tun, zumal die Familie einen großen Garten hat. Von Montag bis Freitag hatten wir immer von 9 bis ca. 15 oder 16 Uhr Sprachunterricht. Wir haben uns in der Grace Assembly Church in Old Kampala getroffen, die ist aber eigentlich ein Haus. Ich bin meistens mit einem Taxi nach Wandegeya gefahren und habe von dort ein Boda genommen oder bin gelaufen. Manchmal bin ich aber auch den ganzen Weg mit einem Boda gefahren, das ist zwar teurer, geht aber wesentlich schneller (ca. eine halbe Stunde), da die Taxis meistens im Stau stehen, während sich die Bodas hindurchschlängeln.


Zusammen mit Max, einem Freiwilligen vom Kindermissionswerk, hatten fünf von uns einen
Sprachkurs in Luganda, das vor allem in Zentraluganda gesprochen wird, aber auch sonst relativ
verbreitet ist. Nina hatte Einzelunterricht, da in Mbarara bzw. im Westen von Uganda, hauptsächlich Runyankore gesprochen wird.

In den vier Wochen vom Sprachkurs haben wir kompakt und soweit eben möglich ein paar
Grundlagen von Luganda, aber auch viel über Land und Leute gelernt. Zuerst kam das Wichtigste
für den Alltag dran: Begrüßungen! Darauf wird in Uganda im Allgemeinen deutlich mehr Wert
gelegt als in Deutschland. Die meisten Begrüßungen laufen in Form eines kurzen Dialogs ab, an
den sich ein kleiner Smalltalk anschließt.

Ein Beispiel (formale Begrüßung am Morgen):
Mary: Wasuze otyanno ssebo? (~ Wie war Ihre Nacht, mein Herr?)
John: Bulungi nnyabo. (Gut, Madam)
Mary: Mm. (~ Zustimmung)
John: Wasuze otyanno nnyabo? (~ Wie war Ihre Nacht, Madam?)
Mary: Bulungi ssebo. (Gut, mein Herr.)
John: Mm.
Mary: Mm.
Anschließend fragt Mary nach Johns Familie und / oder bedankt sich bei John für seine Arbeit (Das
tut gerne mal jeder bei jedem).

Außerdem haben wir natürlich die (meisten) Zeiten, ein paar Verben, wichtige Wörter (z.B. die
Namen von Lebensmitteln), die Bildung von Imperativ und Subjonctif usw. gelernt. Ich bin wirklich erstaunt, wie viel man in ein paar Wochen lernen kann, habe aber noch große Probleme, andere zu verstehen, weil einfach so viele Vokabeln fehlen und viele Leute schnell und leise sprechen. Vor allem ist es aber schön, zu sehen, wie sich fast alle total freuen oder erstaunt sind, wenn man etwas auf Luganda sagt, und sei es nur die Begrüßung. Ich versuche dann immer noch, möglichst viel von dem, was wir schon gelernt haben, einzubauen. Ich finde Luganda nicht so ganz einfach, weil es ganz anders ist, z.B. heißt „Ich sehe dich“ auf Luganda „N-ku-laba“ (in
einem Wort, der Infix -ku- ist das Objektpronomen).

Um den 19.8. herum war ich leider krank, wahrscheinlich habe ich etwas Schlechtes gegessen oder ich habe mir irgendwas eingefangen, jedenfalls war ich dann mit meiner Gastmutter im
Krankenhaus. Das ist nicht so schlimm, wie es erstmal klingt, denn hier gibt es keine Arztpraxen,
man geht einfach (nicht nur sonntags) ins Krankenhaus, wenn man zum Arzt muss. Außerdem weiß ich jetzt, wie es abläuft, wenn man zum Arzt geht.

Ich möchte nicht verschweigen, dass die politische Situation hier nicht ganz so ruhig war und ist.
Da wir uns aber aus dem Politischen heraushalten sollen, möchte ich euch diesen Artikel empfehlen: https://taz.de/Foltervorwurf-gegen-Ugandas-Regierung/!5535421/ Insgesamt bin ich mit der Zeit in Kampala sehr zufrieden, sie wird auf jeden Fall in guter Erinnerung bleiben. Es war sehr schön, noch mal mit den anderen Freiwilligen zusammen unterwegs zu sein und sich viel austauschen zu können, zumal wir eine super Truppe sind! :)

Beste Grüße aus Uganda,
eure Elisabeth

 
 

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